Mann sitzt am laptop und hat Spannungskopfschmerzen

Kopfschmerzen an den Schläfen

Gut 78 % aller Europäer leiden laut einem Bericht der DMKG (Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft) aus dem Jahr 2020 wenigstens einmal im Leben an Kopfschmerzen. Das macht Kopfschmerzen zu der zweithäufigsten Schmerzform direkt nach Rückenschmerzen. Dabei werden Kopfschmerzen in verschiedene Arten unterteilt. Je nach Intensität, Region und Dauer lassen sich Kopfschmerzen in z. B. Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Cluster Kopfschmerzen unterteilen. Am häufigsten von Schmerzen betroffen sind die Schläfen sowie die Stirn. Häufig führen Kopfschmerzen dabei zu Konzentrationsschwierigkeiten. Aber was genau sind die Ursache für Kopfschmerzen an den Schläfen? Welche Kopfschmerzformen verursachen Schläfenkopfschmerzen? Und was kann man gegen akute Kopfschmerzen in dieser Region machen? Alles, was Sie zu Kopfschmerzen im Schläfenbereich wissen sollten, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Kopfschmerz an den Schläfen – woher kommt er?

Kopfschmerzen werden als diffuse (also unregelmäßige) Schmerzen beschrieben, die den Kopf betreffen. Dabei können Kopfschmerzen den gesamten Schädelbereich oder nur bestimmte Kopfregionen betreffen. Oftmals kursiert ein Irrglaube, dass Kopfschmerzen direkt vom Gehirn ausgehen würden. Jedoch ist gerade das Gehirn unser einziges Organ, welches absolut schmerzunempfindlich ist. Kopfschmerzen finden Ihre Auslöser in überreizten Nerven oder Blutbahnen, die den Kopfbereich versorgen. Die genauen Ursachen, die zur Auslösung dieser Überreizungen führen, bleiben jedoch weitestgehend unerklärt. Es gibt allerdings verschiedene Faktoren, die Kopfschmerzen begünstigen.

Die meisten Kopfschmerzbetroffenen leiden besonders an Schläfenkopfschmerzen oder Kopfschmerzen an der Stirn. Manchmal fühlen sich die Schmerzen wie ein plötzlicher Schlag mit dem Hammer an und manchmal werden sie wie ein starkes Druckgefühl beschrieben, so als würde ein Schraubendreher auf den Kopf einwirken. Die Empfindung der Schmerzen variiert dabei von Person zu Person. Kopfschmerzen an den Schläfen können jedoch in verschiedene Kopfschmerzarten unterteilt werden. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die häufigsten Kopfschmerzarten, die Schmerzen an den Schläfen verursachen.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen sind die häufigsten Kopfschmerzen weltweit. Einem Bericht des Robert Koch Instituts zufolge waren im Jahr 2020 in Deutschland 10,3 % Frauen und 6,5 % Männer von dieser Kopfschmerzart betroffen. Bei diesen Kopfschmerzen handelt es sich um einen unspezifischen Kopfschmerz. Er steht somit mit keiner andere organischen Erkrankung in Einklang oder betrifft die Blutgefäße. Spannungskopfschmerzen werden häufig durch Muskelverspannungen im Nacken-, Hinterkopf- oder Schulterbereich verursacht, woher auch ihr Name rührt.

Von Spannungskopfschmerzen betroffene Personen leiden dabei unter leichten bis mäßigen Schmerzen an beiden Schläfenseiten sowie an der Stirn. Oftmals strahlen die Schmerzen vom Hinterkopf auf und breiten sich über die Schläfen bis hin zur Stirn aus. In manchen Fällen können die Schmerzen auch an der Stirn beginnen und sich über die Schläfen bis hin zum Hinterkopf bewegen. Typisiert werden Spannungskopfschmerzen durch ein dumpfes, pulsierendes Druckgefühl an den genannten Kopfregionen. Zudem kann es bei einigen Betroffenen zusätzlich zu einer Lärm- und Lichtempfindlichkeit kommen. Körperliche Aktivität führt meistens bei Spannungskopfschmerzen zu Linderung. 

Faktoren, die Spannungskopfschmerzen begünstigen, sind unter andrem emotionaler Stress, Angstzustände, ungenügend Schlaf oder eine schlechte Körperhaltung. All diese Faktoren können Verspannungen der Muskeln hervorrufen, welche dann den Auslöser für Spannungskopfschmerzen bilden. Am weitesten verbreitet ist die episodische Form dieses Kopfschmerzes. Das bedeutet, dass sie Schmerzen akut auftreten und dann für einen längeren Zeitraum wieder verschwinden. Normalerweise hält eine Kopfschmerzepisode 30 Minuten bis zu einigen aufeinander folgenden Tagen an. Wer an Spannungskopfschmerzen leidet, die mindestens 3 Monate am Stück 15 Tage pro Monat andauern, leidet an der chronischen Form dieser Kopfschmerzen. In diesem Fall sollte ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Mann hat ein schreiendes Kind und starke Kopfschmerzen an den Schläfen

Migräne

Als zweithäufigste Kopfschmerzform gilt Migräne. Dabei erleiden Betroffene ein- bis sechsmal im Monat an Migräneattacken. In der Regel beginnt der Anfall erst langsam und wird Schritt für Schritt immer intensiver. Der Kopfschmerz wird dann als sehr heftig empfunden. Migräne tritt vor allem an den Schläfen und an der Stirn auf. Oftmals ist nur eine Kopfseite von den Migräneschmerzen betroffen. Manchmal können die Schmerzen auch die Seite wechseln oder beidseitig auftreten, was jedoch eher selten ist. Eine Migräneattacke dauert zwischen vier und 72 Stunden an. In dieser Zeit kann die Schmerzintensität von mittelstark bis extrem stark variieren.

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Spannungskopfschmerzen führt Bewegung bei Migräne zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Es kommt aber auch hier häufig zu einer Licht- und Lärmempfindlichkeit, wobei zusätzlich noch Erbrechen und Übelkeit auftreten können. Ungefähr 15 % der Betroffenen berichten davon, ein gewisses Gefühl entwickelt zu haben, welches ihnen anzeigt, dass es gleich zu einer Migräneattacke kommt. Dieses Vorgefühl kann sich in Kribbeln in den Armen und Beinen äußern oder durch Sehstörungen oder Augenflimmern vorhergesagt werden.

Migräne ist ein pulsierender, hämmernder sowie sehr heftiger Kopfschmerz, der die Schläfen, die Stirn und teilweise auch die Augenbrauchen betreffen kann. Die Augenbrauenschmerzen erfolgen aufgrund der Reizung des Trigeminusnerves, welches durch den Corrugator Muskel verläuft. Dieser Muskel ist für das Zusammenziehen der Augenbrauen zuständig.

Bei einer weiteren Migräneform, der vestibulären Migräne, können Betroffene zudem an Schwindelanfällen während einer Migräneattacke leiden. Genaue Ursachen für die Entstehung von Migräne sind bisher noch unentdeckt. Man geht jedoch davon aus, dass Migräne durch genetische Faktoren beeinflusst sein kann. Ebenso sollen Faktoren wie zu starke körperliche Belastung, ein nicht stetiger Tagesrhythmus, Wetterumschwünge, emotionaler Stress, bestimmte Lebensmittel sowie grelles Licht Migräne auslösen.

Cluster-Kopfschmerz

Cluster-Kopfschmerzen sind deutliche seltener als Spannungskopfschmerzen oder Migräne, dafür aber umso heftiger. Die Schmerzen treten plötzlich auf, sind einseitig und kommen häufig hinter dem Auge vor. Im Augenbereich beginnen die Schmerzen auch meistens und wandern dann zu den Schläfen oder zur Stirn. Berichten von Betroffenen zufolge fühlen sich Cluster-Kopfschmerzen an, als würde das Auge mit einer Nadel durchstochen werden. Dabei steigert sich der Schmerz schnell auf ein Maximum. Der Schmerz erscheint dann kaum aushaltbar. Cluster-Kopfschmerzen können mehrmals am Tag auftreten und darauf für Monate oder sogar für Jahre komplett verschwinden. Auch hier handelt es sich um episodische Kopfschmerzen. In der Regel hält eine Cluster-Kopfschmerz-Episode zwischen 15 Minuten und drei Stunden an. Während der Schmerzen können ebenfalls die Augen anfangen zu tränen, das Augenlid anschwellen, Kaltschweißigkeit auf der Stirn oder eine verstopfte Nase auftreten.

Die Ursachen von Cluster-Kopfschmerzen sind weitestgehend unerforscht. Auch hier scheinen aber Gene eine Rolle zu spielen. Ebenfalls soll eine erhöhte Zwischenhirnaktivität mit dieser Kopfschmerzform in Verbindung stehen. Weitere Faktoren, die Cluster-Kopfschmerzen begünstigen, sind z. B. der Genuss von Zigaretten und Alkohol, körperliche Anstrengung, Höhenluft oder Nahrungsmittel, die Tyramin oder Histamin enthalten (Schokolade, Käse).

Erkältungskopfschmerz

Erkältungen können ebenfalls Kopfschmerzen hervorrufen. Hierbei handelt es sich dann um einen infektbedingten Kopfschmerz. Betroffene erleiden neben ihren Erkältungssymptomen zusätzliche Kopfschmerzen, die die Schläfen und die Stirn betreffen können. Diese Schmerzen rühren daher, dass sich durch den Infekt die Nasennebenhöhlen entzündet haben. Nasensekret kann dadurch nicht effektiv abfließen und es entsteht ein innerer Druck. Dieser Druck führt dann zu den Erkältungskopfschmerzen. Oftmals verstärkt sich der Schmerz, wenn Betroffene sich nach vorne über beugen. Es wird beschrieben, dass sich das Druckgefühl dann verstärkt. Manchmal kann der Erkältungskopfschmerz auch die Augen betreffen. Je nachdem, welche Nasennebenhöhlen von einer Entzündung betroffen sind, kann der Schmerz auf beiden Seiten oder auch einseitig erfolgen. Infektbedingte Kopfschmerzen verschwinden in der Regel, sobald der Infekt abgeklungen ist und die Nasennebenhöhlen nicht mehr entzündet sind.

Überanstrengung der Augen führen zu Kopfschmerzen

Besonders Personen, die einem Beruf nachgehen, der viel mit Bildschirmarbeit zu tun hat, leiden unter Kopfschmerzen an den Schläfen und an der Stirn. Des Weiteren kommt es durch die sitzende Tätigkeit oftmals zu Verspannungen an Nacken und Schultern. Dies kann dabei schnell zu einem Spannungskopfschmerz führen. Durch die Überbelastung der Augen aufgrund der ständigen Bildschirmarbeit wird der Spannungskopfschmerz noch begünstigt. Zusätzlich haben Betroffene mit tränenden, gereizten oder trockenen Augen zu kämpfen. Sehfehler oder Hornhautverkrümmungen sowie schlechtes Licht am Arbeitsplatz sind weitere Faktoren, die Kopfschmerzen an den Schläfen und an der Stirn auslösen. Sobald die Augen entlastet werden, z. B. durch das Tragen einer Brille oder einer Auszeit vom Bildschirm werden die Kopfschmerzen in der Regel besser.

Trigeminusneuralgie

Der Nervus trigeminus, auch Drillingsnerv genannt, dient der Weiterleitung von Empfindungen in den beiden Gesichtshälften. Weitere Nervenstränge leiten sich von diesem Hauptnerv ab und führen in die Stirn, in den Ober- und Unterkiefer oder in die Oberlippe. Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um Schmerzen, die auf den Nervus trigeminus zurückzuführen sind und das ganze Gesicht betreffen können. Diese Schmerzen sind unglaublich stark, treten plötzlich auf und sind nur von kurzer Dauer. Trigeminusneuralgien werden von Betroffenen wie viele kleine Elektroschocks im Gesicht beschrieben. Auslöser der Neuralgie sind die Irritation oder Reizung des Nervus trigeminus.

Student bekommt beim arbeiten kopfschmerzen an den Schläfen

Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen

Personen, die dauerhaft Medikamente wie Schmerzmittel oder Blutdrucksenker einnehmen oder diese zu hoch dosieren, können an medikamentenindizierten Kopfschmerzen leiden. Diese Kopfschmerzen betreffen die Schläfen und die Stirn und werden als mäßige bis starke Schmerzen mit dumpfem Charakter beschrieben. Begleitsymptome sind sehr selten. Diese Kopfschmerzart tritt in der Regel direkt nach der Medikamenteneinnahme auf, wobei die Anhaltedauer individuell variiert. Oftmals kommt es bei medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu einem Teufelskreis. Die Person nimmt Schmerzmittel ein, um bestimmte Beschwerden zu lindern. Diese Schmerzmittel führen dann jedoch zu Kopfschmerzen, für die wieder Schmerzmittel eingenommen werden.

Was hilft gegen Kopfschmerzen an den Schläfen? – Hausmittel zur Schmerzlinderung

In vielen Fällen lassen sich Kopfschmerzen an den Schläfen mit einfachen Hausmitteln behandeln. Besonders, wenn es sich um Spannungskopfschmerzen handelt, können einfache Methoden zu Linderung führen wie Wärmetherapien. Ein warmes Körnerkissen im Nacken oder warmes Vollbad führen zu Entspannung und Entkrampfung der Muskeln und die Kopfschmerzen verschwinden.

Kopfschmerzen, die aufgrund von Überanstrengung der Augen auftreten, können häufig durch Kälteanwendungen behandelt werden. Kalte Stirnkompressen können hier Wunder bewirken. Denn Sie leiten aufgestaute Wärme ab, wirken beruhigend und entspannend. Manchmal kann aber auch schon eine einfache Massage der Augenbrauen oder der Schläfen Linderung herbei führen.

Ebenfalls können ätherische Öle in vielen Fällen die Kopfschmerzen lindern. Besonders Pfefferminzöl hat erwiesenermaßen eine effektive Wirkung bei Kopfschmerzen an den Schläfen. Dafür einfach ein paar Tropfen des Öls auf die schmerzende Kopfstelle einreiben und das ganze Wirken lassen.

Das Trinken von koffeinhaltigen Getränken kann zudem ebenfalls Kopfschmerzen lindern. Kaffee oder schwarzer Tee führt durch das enthaltene Koffein dazu, dass die Durchblutung gefördert wird. Die Blutgefäße am Kopf werden erweitert und das Druckgefühl des Kopfschmerzes verschwindet.

Leichte Schmerzmittel bei Kopfschmerzen an den Schläfen

Manche Kopfschmerzformen wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen lassen sich mit herkömmlichen Hausmitteln leider nicht ganz in den Griff bekommen. Um eine Leidensminderung zu erreichen, müssen häufig zusätzlich leichte Schmerzmittel eingenommen werden. Diese sind rezeptfrei in den Apotheken erhältlich. Bei Migräne und generell starken Kopfschmerzen wurden Präparate mit Ibuprofen und medizinischem Koffein als besonders wirkungsvoll beschrieben.

Migränebetroffene sollten vor allem auf Medikamentenkombinationen aus medizinischem Koffein, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS) zurückgreifen. Diese Kombination kann direkt bei den ersten Migräneanzeichen eingenommen werden. Somit wird der bereits vorhandene Schmerz gelindert und ein intensiverer Schmerz vermieden. Diese Medikamentenkombination wird ebenfalls von der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfohlen. Mittlerweile gibt es verschiedene Präparate, welche diese Wirkstoffe enthalten. Sie können sich dazu in jeder Apotheke beraten lassen.

Cluster-Kopfschmerzen oder Schmerzen aufgrund der Trigeminusneuralgie sind selten mit Schmerzmitteln zu behandeln. Sollten Sie an diesen Kopfschmerzformen leiden, so lassen Sie sich am besten von einem Arzt beraten und behandeln. Häufig kommen zur Behandlung Medikamente wie Gabapentin oder Indometacin zum Einsatz, welche jedoch ärztlich verschrieben werden müssen.

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